Wartefrist - Prämienabzug für Arbeitnehmer

Ich habe für meine Mitarbeiterinnen eine Krankentaggeldversicherung abgeschlossen mit einer Wartefrist von 30 Tagen und bezahle dafür eine Prämie von 2% der Bruttolohnsumme. Mit einer Wartefrist von zwei Tagen müsste ich 11% bezahlen, ein bedeutender Unterschied.

Da ich meinen Mitarbeiterinnen bei Arbeitsunfähigkeit wegen Krankheit ohnehin ab dem ersten Tag Lohn bezahlen muss, habe ich mir erlaubt, ihnen die Hälfte der Prämie von 11% vom Lohn in Abzug zu bringen, der Rest ist ja ohnehin mein Risiko.

Eine Mitarbeiterin hat aber protestiert und gesagt, dies sei nicht zulässig, man dürfe einer Mitarbeiterin nicht mehr als die Hälfte der tatsächlich bezahlten Prämie in Abzug bringen.

Was sagen Sie dazu?


Ihre Mitarbeiterin hat Recht. Der GAV für das Coiffeurgewerbe sieht in Art. 43.3 vor, dass die Arbeitgeberin die Krankentaggeldversicherung mit einer Wartefrist bis zu 30 Tagen abschliessen darf und sie in dieser Zeit 80% des Lohns bezahlen muss. Gemäss Art. 43.4 ist die Prämie je hälftig von beiden Parteien zu tragen.

Ist eine Mitarbeiterin während eines Monats krank, so erhält sie bei einem Lohn von Fr. 4'000.- bei einer Wartefrist von 30 Tagen brutto Fr. 3'200.- abzüglich Sozialversicherungsbeiträge. Bei einer Wartefrist von 2 Tagen erhält sie während 28 Tagen 80% des Bruttolohnes ohne Sozialversicherungsabzüge und während 2 Tagen 80% Lohn mit den Abzügen. Es kann sich so ohne weiteres eine Differenz beim Lohn von mehr als Fr. 200.- für die Mitarbeiterin ergeben.

Für die Mitarbeiterinnen bedeutet eine längere Wartefrist weniger Prämie und damit im Krankheitsfall auch weniger Lohn, bei kürzeren Wartefristen hat die Mitarbeiterin einen grösseren Abzug bei der Prämie, dafür aber einen höheren Lohn bei Krankheit.

Ihre Abrechnungsart ist daher unzulässig, man darf nur die Hälfte der tatsächlich bezahlten Prämie auf die Mitarbeiterin abwälzen, d.h. vom Lohn abziehen.

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