Geschätzte Mitglieder, der neue GAV ist da!

coiffureSUISSE Mitgliederinformation zum neuen GAV

Wir freuen uns, Sie informieren zu können, dass der Bundesrat den neuen Gesamtarbeitsvertrag, der an der letzten coiffureSUISSE Delegiertenversammlung praktisch einstimmig angenommen wurde, für allgemeinverbindlich erklärt hat. Er tritt am 1. März 2018 in Kraft. Einsprachen hat es keine gegeben. Der Grund, weshalb ein neuer GAV wichtig ist, ist die Situation in unserer Branche, die nach Lösungen drängt.

Neu wird die Berufserfahrung belohnt
Bei der aktuellen Konjunktur haben z.B. junge Coiffeusen und Coiffeure aus verschiedenen Gründen Schwierigkeiten Arbeit zu finden, unter anderem auch wegen ihres Mangels an Erfahrung. Würde man den Mindestlohn erhöhen, käme ein weiteres Problem hinzu. Der Berufsnachwuchs würde dadurch entweder keine Stelle oder nur eine Teilzeitbeschäftigung finden. Wir waren der Ansicht, dass die Branche eine globale Lösung benötigt. Diese besteht darin, im neuen GAV den Mindestlohn nicht zu erhöhen, sondern den bestehenden Mindestlohn als Einführungslohn zu betrachten. Auf der anderen Seite wollten wir aber trotzdem ein positives Zeichen setzen und etwas für das Image der Branche tun. Will man den Coiffeurberuf aufwerten, muss man den erfahrenen Mitarbeitenden einen Karriereplan bieten. Der Vorschlag, neu die Erfahrung anzuerkennen, war die Idee von coiffureSUISSE. Im neuen GAV ist der bisherige Mindestlohn von 3800 Franken als Einstiegslohn für Lehrabgänger EFZ festgelegt. In den ersten fünf Jahren nach dem Berufseinstieg wird der Lohn aufgrund der Erfahrung, die sich die Mitarbeitenden angeeignet haben, ab dem 3. Jahr nach Lehrabschluss jedes Jahr um einen im GAV festgelegten Betrag erhöht, bis er für jene mit EFZ- Abschluss nach 5 Jahren 4000 Franken beträgt.

Neu: festgelegter Einstiegslohn für ungelernte Mitarbeitende
Mitarbeitende, die über kein vom SBFI anerkanntes Diplom verfügen, unterstanden bisher nicht dem GAV und deshalb war der Arbeitgeber nicht verpflichtet, ihnen einen Mindestlohn zu bezahlen. Der Markt reagierte so, dass vermehrt Mitarbeitende ohne anerkannte Ausbildung eingestellt wurden, da man ihnen nicht viel bezahlen musste. Diese Tatsache verschaffte diesen Salons einen Wettbewerbsvorteil, weil sie ihre Dienstleistungen billiger anbieten konnten als jene, die gelerntes Personal angestellt hatten und den gesetzlichen Mindestlohn bezahlten. Aus diesem Grund schlugen wir bei den Verhandlungen vor, im neuen GAV auch einen Mindestlohn für Ungelernte und Angelernte festzulegen. Die Gewerkschaften, welche dies ebenfalls gefordert hatten, waren damit einverstanden.

Weiterbildung fördern und honorieren
Wenn Mitarbeitende Zeit und Geld in ihre Weiterbildung investieren, wird dies honoriert. coiffureSUISSE findet, dass jemand, der sich für die Ausbildung der Lernenden engagiert und das Didaktik Modul absolviert, das Recht auf Anerkennung und auf einen Zuschlag von 200 Franken auf den Basislohn hat, sofern er oder sie im Geschäft die Ausbildungsverantwortung für einen Lernenden trägt. Wer den eidgenössischen Fachausweis besitzt (Berufsprüfung) und über mindestens 3 Jahre Berufserfahrung verfügt, hat Anrecht auf den Basislohn plus 300 Franken. Wer das eidgenössische Diplom besitzt (höhere Fachprüfung) und über mindestens 4 Jahre Berufserfahrung verfügt, erhält den Basislohn plus 500 Franken. Die Zuschläge sind aber nicht kumulativ. Es gilt der jeweils höchste Abschluss. 

Kontrolle der Stuhlmiete durch die Paritätische Kommission
Die Stuhlmiete ist das Ergebnis einer schwierigen Marktentwicklung. Vielleicht gibt es in der Schweiz auch einfach zu viele Coiffeursalons. Wir können das nicht beurteilen, aber es ist eine Tatsache, dass wir pro Kopf doppelt so viele Coiffeurgeschäfte haben wie unsere Nachbarn Deutschland und Frankreich. Durch die grosse Konkurrenz beginnen viele Salonunternehmer zu sparen. Sie versuchen z.B. das Geschäftsrisiko zu reduzieren, indem sie es auf die Mitarbeitenden abwälzen, d.h. sie in die Stuhlmiete drängen. Der Saloninhaber, bzw. der Vermieter erhält so einen regelmässigen fixen Betrag und der Stuhlmieter trägt das ganze Risiko, d.h. er muss selber schauen, wie er zu Kunden kommt. Diese unglückliche Situation ist leider eine Folge mangelnder Gesetzgebung. Die Stuhlmiete ist in der Schweiz nicht explizit verboten, aber sie ist auch nicht erlaubt. Einzig das Versicherungsgesetz kommt hier zum Zug und zwar genauer gesagt die Mehrwertsteuer und die Sozialversicherungen. So geschieht es, dass Stuhlmieter von den Steuerbehörden nicht als Selbständigerwerbende sondern als Angestellte betrachtet werden. Wenn es kein Gesetz gibt, das Stuhlmiete klar regelt, kann man nichts unternehmen. Unsere Branche hat deshalb entschieden, dass die Paritätische Kommission im Coiffeurgewerbe die Stelle ist, die intervenieren kann. Der neue GAV enthält eine Liste mit Kriterien, anhand welcher man erkennen kann, ob eine Scheinselbständigkeit vorliegt. Die PK Coiffeure hat die Aufgabe, die Lohnbücher zu kontrollieren. Wenn bei einer solchen Kontrolle in einem Salon festgestellt wird, dass eine Person dort Kunden bedient, aber nicht im Lohnbuch aufgeführt ist, muss der Saloninhaber Rechenschaft ablegen. Wenn er dies nicht begründen kann, ist die Paritätische Kommission befugt, ihn bei den Steuerbehörden zu melden. Wir hoffen, so dem Phänomen der Stuhlmiete etwas entgegenhalten zu können.
Der neue GAV tritt am 1. März 2018 in Kraft und gilt bis am 31. Dezember 2020, bzw. er kann frühestens auf dieses Datum hin gekündigt werden. Jedes Coiffeurgeschäft wird in den nächsten Wochen von der Paritätische Kommission ein gedrucktes Exemplar per Post erhalten. Wir sind überzeugt, das nun vorliegende Vertragswerk wird etwas Ruhe in den Markt bringen und uns dabei unterstützen, dass wir unsere Dienstleistungen zu wettbewerbsgerechten, fairen Bedingungen anbieten können. Vor allem wird es den ruinösen Preiskampf unterbinden, zu dem es wegen des fehlenden Mindestlohnes für ungelernte Mitarbeiter in unserer Branche gekommen ist. In dem Sinn schauen wir doch zusammen positiv in eine bessere Zukunft.

Damien Ojetti
Zentralpräsident
coiffureSUISSE

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Wichtige Neuerungen im allgemeinverbindlichen Gesamtarbeitsvertrag für das schweizerische Coif­feurgewerbe ab dem 1. März 2018

Paritätische Kommission (PK Coiffure)