Die Stuhlmiete als Konkursfalle

Mehrwertsteuerbehörde

(bm) Ein Saloninhaber hat zwei Mitarbeiterinnen und diese sind nicht ausgelastet, sie haben zu wenig Kunden. Der Chef muss ihnen selbstverständlich trotzdem ihren Lohn gemäss GAV bezahlen. Da hat er die Idee, für einen bestimmten monatlichen Betrag zwei Bedienungsplätze an sie zu vermieten und erklärt ihnen, dass sie nun selbständig seien und auf eigene Rechnung arbeiten. So hat er fixe Einkünfte und spart sich zudem noch die Sozialversicherungen, die er ihnen als Angestellte bezahlen muss. Wenn er seinen Plan so umsetzt, kann das böse Erwachen an dem Tag kommen, an dem die Mehrwertsteuerbehörde sich für eine Kontrolle anmeldet. Annie Rochat Pauchard, Leiterin der Abteilung Recht der Hauptabteilung Mehrwertsteuer, erläuterte an der vergangenen coiffureSUISSE Delegiertenversammlung in Baden, weshalb die Stuhlmiete als Geschäftsmodell in der Schweiz regelmässig zu Problemen führt. Aus mehrwertsteuerlicher Sicht ist die Stuhlmiete als solche nicht verboten. Die Problematik liegt vielmehr darin zu erkennen, welche Umsätze der Geschäftsinhaber, bzw. der Stuhlvermieter deklarieren muss. Selbständig erwerbend ist ein Coiffeur, der das Unternehmerrisiko trägt, weisungsungebunden ist, sowie einen eigenständigen Marktauftritt hat.

Damit die Stuhlmieterin als eigenständiges Unternehmen gilt, müssen unter anderem folgende Punkte erfüllt sein:

  • Sichtbare Anschrift des Unternehmens
  • Eigenes Geschäftspapier
  • Unabhängige Erreichbarkeit, d.h. ein eigener Telefonanschluss
  • Eigenes Ladenlokal – das bedeutet im Fall eines gemeinsamen Eingangs, dass die Geschäftsräumlichkeiten deutlich voneinander getrennt und beschriftet sein müssen.
  • Möglichkeit für die Stuhlmieterin, die Arbeitszeit und den Arbeitsumfang frei zu bestimmen. D.h. es besteht keine Einordnung in den Betrieb des Saloninhabers.


Es drohen Steuernachforderungen
Wenn u.a. die obengenannten Kriterien vollständig erfüllt sind und für die Kundschaft klar ersichtlich ist, in welchem Unternehmen sie Kunde sind, gilt eine Stuhlmieterin mehrwertsteuerrechtlich als selbständig. Sind die Kriterien nicht erfüllt, werden die Umsätze zur Feststellung der Steuerpflicht zusammengerechnet und der Saloninhaber muss die Steuern in der Regel alleine bezahlen. Besonders wenn ein Stuhlmieteverhältnis bereits einige Jahre gedauert hat, kann dies eine stolze Summe sein, da die MwSt. rückwirkend nachzuzahlen ist. Diese Tatsache hat schon zu zahlreichen Konkursen geführt! Deshalb: Wer eine Stuhlmiete ins Auge fassen will, sollte sich vorher gut informieren, um zu verhindern, dass das Abenteuer im Fiasko endet. Dies gilt übrigens auch, wenn die Stuhlmieterin Dienstleistungen in Nail-Design oder Kosmetik anbietet.

Stuhlmiete wird nun auch von der PK kontrolliert

Die PK Coiffure hat deshalb nun alle Coiffeurgeschäfte in der Schweiz mit einem Schreiben informiert, dass sie künftig im Rahmen von Lohnbuchkontrollen verstärkt auch auf allfällige Stuhlmiete achten wird. Bei den Lohnbuchkontrollen, welche durch die PK Coiffure durchgeführt werden, wird ab sofort nicht nur vor Ort kontrolliert, ob eine Stuhlmiete vorliegt, sondern neu wird bereits in der Deklaration für das Jahr 2017 explizit danach gefragt, ob der Saloninhaber oder die Saloninhaberin einen oder mehrere Stühle vermietet. Besteht ein Verdacht auf Stulhlmiete, wird die PK Coiffure die entsprechenden Behörden wie Steuerverwaltung/Mehrwertsteuer, Sozialversicherungen, etc. darüber informieren.