Offener Brief des Zentralpräsidenten an das SECO

In Anbetracht dieser extremen wirtschaftlichen Situation, die viele Coiffeurgeschäfte in eine finanzielle Notlage bringen wird, hat Coiffure Suisse Zentralpräsident Damien Ojetti einen offenen Brief an die Direktorin des Bundesamtes für Wirtschaft SECO gerichtet:

Bern, 16. März 2020

Sehr geehrte Frau Ineichen-Fleisch

Im September 2019 wurde unsere Branche von der tripartiten Kommission des Bundes angesichts schwerwiegender Probleme wie Lohndumping, Schwarzarbeit, Scheinselbstständigkeit etc. zur «Fokusbranche» erklärt.

Unser Sektor (wie auch andere) sieht sich aufgrund der Pandemie des Coronavirus mit einer ausserordentlichen Situation konfrontiert. Wir hängen direkt von Kundenbesuchen ab und unsere Branche besteht in erster Linie aus KMU, deren Liquiditäten kaum ausreichen, um die Löhne sowie Festkosten wie Miete, Strom, Wasser, Telefon, Steuern etc. zu begleichen.
Der Verband Coiffure Suisse hatte seinen Mitgliedern in einem ersten Schritt bereits geraten, die Arbeitszeiten zu senken. Angesichts der galoppierenden Entwicklung der Situation war dies aber nur von kurzer Wirkung. Zukünftig wird es Schutzmassnahmen für KMU brauchen, die von dieser Situation bis ins Mark getroffen werden.

Mehrere Kantone haben bereits die Schliessung von Coiffeursalons aus Gesundheitsgründen angeordnet (was wir auch verstehen) und der Bund zog gerade nach. Angesichts der oben angeführten Gründe spitzt sich die Lage der Coiffeurbranche noch weiter zu.
Rund 13'000 Coiffeur-Unternehmen mit rund 11'000 Angestellten sind von diesem Einkommensausfall betroffen, darunter auch selbstständige Unternehmen.

Wenn die Behörden eine Schliessung der Geschäfte und somit auch der Coiffeursalons anordnen wäre es nur logisch, dass die vorliegende «höhere Gewalt» auf alle Akteure ausgeweitet wird, mit anderen Worten auch für Gläubiger von Festkosten wie Miete, Telefon, Strom, Steuern etc. greift.
Wir sind uns bewusst, dass dies eine unkontrollierbare Ursachen-Wirkungs-Kaskade auslösen würde, glauben aber dennoch, dass dieses Gesuch legitim ist, da unser Sektor keinerlei Einnahmen mehr generieren kann.

Es muss um jeden Preis verhindert werden, dass Salons in Konkurs gehen und es ist unabdingbar, dass sie sofort wieder öffnen dürfen, sobald die derzeit geltenden Massnahmen aufgehoben werden.
Diesbezüglich muss der Bund sicherstellen, dass die Coiffeursalon-Besitzer dank zinsloser Finanzierungshilfe weiterhin ihre Festkosten wie Miete, Sozialversicherungen, Aufwände etc. bezahlen können und ihnen diese innerhalb kürzester Frist und unter minimalem administrativem Aufwand zur Verfügung gestellt werden.

Gleichzeitig sind die Unternehmen, die gar keine Zeit hatten, vorbereitenden Massnahmen zu treffen und die bereits oder zukünftig aufgrund der aktuellen Lage betrieben werden, zu unterstützten. Die dafür notwendige Massnahme:

Gemäss Artikel 62 des Bundesgesetzes über Schuldbetreibung und Konkurs kann der Bund unter aussergewöhnlichen Umständen «im Falle einer Epidemie oder eines Landesunglücks sowie in Kriegszeiten» für ein bestimmtes Gebiet oder für bestimmte Teile der Bevölkerung einen Rechtsstillstand beschliessen.

Wir fordern eine Aussetzung ALLER Forderungen über die gesamte Dauer der Schliessung der Geschäfte und der sich daraus ergebenden Einstellung der Aktivitäten. Das ist notwendig, damit unsere Branche nicht überproportional benachteiligt wird.

6. Bei Epidemien oder Landesunglück
Art. 62
Im Falle einer Epidemie oder eines Landesunglücks sowie in Kriegszeiten kann der Bundesrat oder mit seiner Zustimmung die Kantonsregierung für ein bestimmtes Gebiet oder für bestimmte Teile der Bevölkerung den Rechtsstillstand beschliessen.

In Anbetracht der Feststellungen bitten wir den Bund und die Kantone um Hilfe für eine schnelle und konkrete finanzielle Unterstützung sowie eine Aussetzung ALLER Forderungen für die gesamte vorgeschriebene Schliessungsdauer.
Ich freue mich darauf von Ihnen zu hören.

Mit hochachtungsvollen Grüssen
Damien Ojetti, Zentralpräsident Coiffure Suisse

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